Amt und Sitten



Das Burger- und Mandatenbuch
Burgerliche Geschlechter der Kirchgemeinde Bolligen
Allmosenkammer-Manual 1691
Das Chorgericht in Bolligen
Chorgerichts-Manual I
Chorgerichts-Manual II
Oberchorgerichts-Manual der Stadt Bern
Chorgerichts-Manual III
Vom Chorgericht zum Sittengericht
Sittengerichts-Manual





Das Burger- und Mandatenbuch Bolligens von 1700
Kirchgemeinde-Archiv Bolligen

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung im Kanton Bern rasch zu. Weil das Gemeindegebiet wegen der Nähe der Stadt und vor allem wegen des um Worblen entwickelnden Gewerbes eine grosse Anziehungskraft hatte, entstand für die Gemeinde ein soziales Problem mit den Hintersässen und den unbegüterten Zugezogenen.

Im Jahre 1700 wurde in Bolligen ein «Burgerbuch» angelegt, in dem die in Bolligen Heimatberechtigten eingetragen wurden. Wer nicht verzeichnet war, aber innerhalb des Gemeindegebietes Wohnsitz hatte, der musste sich zur Hinterlegung seines Heimatscheines verpflichten. Dieser garantierte von der ausstellenden Gemeinde die Unterstützung bei Armengenössigkeit. Die Folgen dieser Entwicklung sind das Burgerrecht und die ländliche Burgergemeinde.

Die Einleitung, die der Pfarrherr Berset unter dem Titel «Erinnerung» dem Burger-Verzeichnis voransetzte, beschreibt anschaulich das Prozedere, wie damals das Heimatrecht registriert und festgehalten wurde. Sie widerspiegelt vor allem die Sorge des Seelenhirten, es könnten sich aus den Gewerbebetrieben unten an der Worblen Fremde anmassen, das Burgerrecht zu erwerben. Dabei fällt auf, dass Pfarrer Berset die Weisungen der Bettelordnung entweder nicht verstanden oder mit Absicht ignoriert hat.

Erinnerung.
Nach dem die Kirchen Gemeind von Bolligen, welche nach an der Statt gelegen, da allerhand Frembde sich suchen niderzusetzen, von vielen der gleichen ausseren von Zeit zu Zeit bewohnt wirt, die nachgehends bey zustossender Gelegenheit den ihnen bewilligten Hindersitz in ein natürlich Burgerrecht verwandlen wollen, und daher zu besorgen war dass endlich die wahren Kilchgenossen mit mehr wohl von den anderen zu unterscheiden sein wurden und hiemit das Burgerrecht leichtlich einem frembden könte geduldet oder hingegeben werden der keine rechtmässige ansprach daran hätte und hingegen einem wahren Burger leicht unbillich könte abgesprochen werden. Als hat Eine Ehrsame gemeind neben anderen mitlen, so sie wider dieses übel zu Handen genommen, auch für gut angesehen, die jenigen, so Ihr Heymath in diesem Kirchspiel haben und wahre Kilchgenossen sind, aufzuzeichnen und in ein währschaffl buch zusammen zu bringen. Zu diesem End hat Sie auss jedem Viertel Zwey alte, verständige unpartheyische Männer ausgeschossen die mit Beyhülff ihres Pfarrers, so viel Ihnen die gedächtnuss dienen möge, alle Einheimischen Bürger aufs papier gebracht haben. Und damit auch hierinn kein Betrug geübt oder Verschuss gegen dem einten oder anderen geschehen möchte, hat sie den gemachten aufsatz Ihro der ganzen Gemeind vortragen und ablesen lassen, dass auch sie Ihr Urtheil von eines jeden Burgerrecht geben möge, und nach dem solches geschehen und also eines jeden recht gewogen worden, sind die befundenen Burger folgendes von dem Pfarrer in gegenwärtiges Buch nach ordnung der Buchstaben in Treuen eingeschrieben worden: Jedoch mit diesem heiteren Vorbehalt, dass wo dess Einten oder Anderen der sich aussert Lands mochte aufgehalten haben, nit wäre gedenckt worden, seine Vergessung und ausschliessung auss diesem Buch Ihme keineswegs nachtheilig sein soll, so er anders sein Burgerrecht mit Gnugsammen gründen bescheinigen kan.
Actum den 24 February 1700 Berset Predicant



Selbst die Regierung war mit ihren Weisungen zwiespältig. In einem Kreisschreiben vom 15. Oktober 1675 hat sie empfohlen, «dass auch bedachtlich ghandlet werde mit Annehmung der Hintersessen» und nur die Leute aufgenommen werden, die sich und die Ihrigen selbst erhalten können und nicht der
Armenpflege zur Last fallen.
Die gleichen Vorsichtsmassnahmen prägten auch den «Freiheitsbrief», den die Regierung am 10. Juni 1679 «zu gunsten der Kilchhöri Bollingen» erlassen hatte. Der letzte Abschnitt dieses Briefes betrifft das Gewerbe und lautet: Den Besitzern der «Papiermühlenen, Kupferhammerschmitten und Thratzugs» sind keine verheirateten Dienste (Arbeiter) zu dulden, es sei denn, «dass dieselben formbliche Schyn ihres anderstwo habenden Heimatrechtes (Heimatschein), dahin sie heüt oder morgens zeüchen dörffen, aufweisen könind», sonst müssen die Besitzer der Gemeinde schriftlich zusichern, dass sie arbeitsunfähig gewordene Leute ohne Schaden der Gemeinde unterhalten werden.

In der von Pfarrer Berset kommentierten Liste der als «Burger» anerkannten Personen kommt auch der Begriff «Einzuggeld» vor. Bevor die Verordnungen von 1676 und 1679 in Kraft traten, war der Erwerb des Burgerrechtes nur durch den Erwerb von nutzungsberechtigten Gütern und Häusern oder durch Bezahlung eines Einzugsgeldes möglich. Dieser im Gegensatz zum jährlich zu bezahlenden Hintersassgeld nur einmal zu entrichtende Betrag wurde auf Empfehlung der Obrigkeit gegen Ende des 17. Jahrhunderts mancherorts drastisch erhöht, was auch aus den Eintragungen hervorgeht. Es bestanden auch Bestimmungen, die es einem Fremden erschwerten, ein Haus oder ein Grundstück in der Gemeinde zu erwerben.

Im Anschluss an dieses aufschlussreiche Verzeichnis, in dem übrigens die Bewohner der Herrengüter nicht erwähnt sind, weil diese allesamt Burger von Bern waren, hat der Schreiber zwei Fälle eintragen müssen, bei denen offensichtlich die Almosenkamrner eingegriffen hatte und dabei gezwungen war, auf die Weisungen der Bettelordnung zu verweisen:

Andress Ärny der Hammerschmid so lange jahr zu Worblauffen gesessen und kein ander Heymath nit weiss, auch darneben von der Bettelordnung allda bezogen worden. Als findend MhGh. Allmusens Directoren dass derselbe sambt den Seinigen ihr Heymathrecht allhier zu Bollingen haben sollen: und hiemit die G’meind schuldig sein solle, dessen Sohn Samuel einen Heymathschein zu ertheilen damit er ferners sambt den seinigen zu Frutigen geduldet werde; widrigen fahls so etwann Oppositions Gründ einzuwenden so soll man sich vor Mhgh, der Cammer stellen. Actum den 17 Dbr. 1692
Samuel Rüetschi Oberspittal Schrbr.

Besonders der «Fall Ärny» ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Almosenkammer bei ihren Zwangszuteilungen damals vorging. Warum wurde ein Entscheid vom Jahre 1692 vom Pfarrherren im acht Jahre später erstellten Verzeichnis nicht berücksichtigt?

Die einzelnen Burger wurden in drei Kategorien unterschieden: Die alten Burger, die sich eingekauften Burger und eine Gruppe, wo die Bezeichnung alt fehlt, bei denen es sich wohl mehrheitlich um zugezogene Handwerker in den Gewerbebetrieben handelte, die nach den Weisungen der ”Allmusens Directoren” Aufnahme fanden.

Haupteintrag mit den aufschlussreichen Hinweisen auf den Sohn Samuel und besonders auf die
hilfreiche Ortsangabe «Frutigen».




Burgerliche Geschlechter der Kirchgemeinde Bolligen
Kirchgemeinde-Archiv Bolligen

Verzeichnis der bürgerlichen Geschlechter der Kirchgemeinde Bolligen, ausgezogen aus dem von Mwhghl Pfarrer Berset zu Bolligen im Jahre 1700 verfertigtem Burger Rodel wobej zu bemerken dass bej einigen Geschlechtern das Jahr der Burger Annahme bejgesetzt, bej andern nicht konnte bestimmt angegeben werden. – ausser diesem Burger Rodel habe auch noch den Tauf Rodel der hier getauften Burger und den ausser der Gemeinde getauften Burger zu Rathe gezogen – die aus dem Burger Rodel ausgezogenen wurden bezeichnet mit B. R. die so weil bekannt ausgestorbenen Geschlechter wurden unterstrichen wurden.

Jahr der Burger Annahme:

Aeberli B.R. 1658
Aerni B.R. 1692
Andres

Bähni T.R.
Ballenegger B.R. 1689
Baldenweg B.R.
Balzli B.R. 1665
Baumann B.R. 1671
Behler B.R. 1663
Bemer B.R.
Bigler B.R.
Blank B.R.
Bohrer B.R.
Buri B.R. 1695
Burkhalter B.R. 1662
Bütikofer B.R.
Burger B.R. 1653
Behman B.R. 1661
Brüderli B.R.

Clausen B.R. 1670
Cunrath B.R. 1656

Dallmann B.R.
Dällenbach B.R. 1673

Eichelberger B.R. 1663 .

Fählman B.R.
Furer B.R.
Fjg B.R.
Fuchs B.R. 1671
Freünd B.R.
Frej

Glauser a.B.T.
Gosteli B.R. 1663
Grüneisen B.R. 1663
Grogg B.R. 1677
Grossklaus B.R.

Hanes B.R.
Hodel B.R.
ImHoof B.R.
Hofer B.R. 1656
Huser B.R.
Hofstetter B.R. 1685
Hertig B.R. 1657

Jaussi B.R.
Jenner B.R.
Juker B.R.
Joss B.R. 1674

Kaufmann B.R.
König B.R.
Kiener B.R. 1675
Kindler B.R.
Kislig B.R.
Kneübühler B.R. 1649
Krajenbühl B.R. 1668
Krieg B.R.
Krebs B.R. 1666
Kuenz B.R.
Küenzi B.R. 1680
Kägi B.R. 1692

Lehmann B.R. 1686
Loüss B.R.
Luz B.R.
Linder B.R.
Liechti T.R.
Lüdi T.R.

Mahler B.R. 1685
Marthaler B.R.
Masshardt B.R. 1673
Maurer B.R. 1656
Mutti B.R.
Meyer B.R. 1645
Müller B.R. 1662

Nussbaum B.R. 1663
Nägeli B.R.
Niederhauser B.R. 1676

Oprecht B.R. 1663

Priner B.R. 1650

Rohrer B.R.
Räntsch B.R.
Rüedi B.R. 1642
Reinlin B.R. 1669
Rothenbühler B.R. 1682

Schaub B.R.
Schaz B.R. 1663
Schädeli B.R.
Scherteleib B.R. 1663
Schmid B.R.
Schnell B.R. 1642
Schnegg B.R.
Schneider B.R. 1671
Schöni B.R. 1696
Schönwald B.R. 1648
Siegenthaler B.R. 1692
Simon B.R.
Solothurnmann B.R.
Steiger B.R. 1641
Suter B.R.
Stempfli B.R.
Statler B.R.
Schwarz B.R. 1658
Steiner B.R.
Sterchi B.R.
Schüppach B.R. 1671
Studer B.R. 1648
Stölli B.R. 1685
Schindler B.R. 1675
Samson T et B.R.

Thierstein B.R. 1670
Thomann B.R. 1657
Trautweg B.R. 1662

Wanzenried B.R. 1681
Wahli B.R.
Wildi B.R. 1650
Witschi B.R.
Weibel B.R. 1676
Wäber B.R. 1686
Weerli B.R. 1658
Wilhem B.R. 1693

Zoss B.R.