AERNI



Etymologie des Familiennamens
Verbreitung des Familiennamens
Von Ernj, Erne, Arne, Ärnÿ, Ärni zu Aernie
Auf den Spuren des Ursprungs
Unser Urvater Andres Ärni
Der Hammerschmied Meister
Samuel und seine Nachkommen
Taunerhaus im Schermen
Jean Jacques und die "Heimwesen" auf dem Ferenberg

Bendicht – das Leben eines Bolliger Bürgers dokumentarisch festgehalten





Etymologie des Familiennamens

«Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz» /HBLS, 1921, Band 1
und «Deutsches Namenlexikon», 1980


Arn von ahd. Arno, sehr verbreiteter Personenname. Kürzung von Arin = Name mit Adler.

Arni 1246 Arne, stammt wie die folgenden wohl aus Ahorn-ahi ”Ahorngehölz”
(oder aus Farni ”Stelle mit Farnkraut”).

Erni, Erny Familienname in verschiedenen Kantonen, der aus dem schon 1300 beurkundeten
Taufnamen Erni (aus Arnolt) entstanden ist.

Aerni, Erni Der Name ist ursprünglich diminutive Koseform zu ahd. Personennamen
wie Arn-old, Arn-ulf (arn = Adler)

Arni, Erni (Schweiz oft): Kurzform, zu Arnold, auch Ernemann; desgl. Ärneli.
Der alte Ärni 1354 Rottweil
Arnold (Erni) von Rotberg 1387

Erni
alem.-schweizer. Kurzform zu Arnold (vgl. den Schweizer Freiheitshelden Arnold
Winkelried, 1386), Eidgenosse Arnold an der Halden, auch Erni aus dem Melchtal genannt (1308). Desgl. Ern(d)le (vgl. Werle: Werndle = Werner: Joh. Erndlin = Ernlin 1541 Rottweil.
Zu ndd Erneman Ernemans 1449 Hann. nebst Erneke Hund 1421 ebda vgl. auch Ernfrid (1391) Sangerhsn., Erendfridius 12 Jh./Werden; Ernbild 1150 Werden.

Der Name Aerni hat also nichts mit Äehren zu tun, wie sie in einigen Aerni-Wappen vorkommen.
Richtig ist, dass Aerni von dem Vornamen Arnold stammt.

Im «Weissen Buch» zu Sachseln, Grundlage unserer Schweizergeschichte,
wird «Arnold von Melchtal» mit «Aerni vom Mülchi» genannt.

Auch Abweichungen wie Arni, Erni, Erny, Erne, Aerne, Arn und die französischen Arnoud
und Arnauld sind gleichen Ursprungs.





Verbreitung des Familiennamens

A. Kanton Aargau
Alte Aarburger Familie.
1. Franz, eines der acht aarg. Mitglieder des Helvetischen Grossen Rates 1798. Ward mit
zwei andern Mitgliedern und drei Vertretern des Helv. Senats zur Begrüssung des in Aargau
erwarteten Generals Schauenburg und des Kommissärs Lecarlier abgeordnet (14. IV. 1798).
Als ehemaliger Offizier in fremden Diensten beteiligte er sich im Gr. Rat namentlich bei mili-
tärischen Fragen. Vom Direktorium zur Stillung der im April 1799 im Luzerner Gebiet ausgebrochenen Unruhen abgeordnet, nahm er mit Hilfe der ihm beigegebenen Kompagnien die Rädelsführer in Haft und beendigte den gefährlichen Aufruhr. Anfangs August 1800 war er genötigt, aus dem Gr. Rat auszutreten, da nach Gesetz ein durch das Los bestimmter Drittel neuen Mitgliedern Platz machen musste. Zum Salzfaktor und Kommandanten der Festung Aarburg ernannt, verweigerte er im ”Stecklikrieg” den Führern der aufständischen reaktionären Massen die Übergabe der Festung.
Über sein späteres Leben ist nichts bekannt.

2. Franz Theodor, *1853 in Aarburg. Kunstmaler, studierte in Lausanne, Modena und Rom.
Hielt sich in Italien und im Orient auf; neuerdings bewohnt er seine Vaterstadt Aarburg. Seine
Bilder, die sich grösstenteils in Amerika befinden, weisen Motive aus dem süditalienischen
Volksleben u. stimmungsvolle Landschaften auf.

B. Kanton Bern
Bürgergeschlecht von verschiedenen berner. Gemeinden
1347: Heinrich Ernis in Thun
Aus Bolligen: Friedrich, *1865, Notar1891, Gerichtspräsident in Belp 1902, Inf.-Oberstleut.

C. Kanton Solothurn
Ausgestorbenes Altburgergeschlecht der Stadt Solothurn. Wappen:
In blau über grünem Dreiberg eine goldene Marke (auf ein W aufgesetztes gekreuztes Y),
beseitet von 2 goldenen Sternen.

1. Niggli, der Schuhmacher, Bürger 1408.
2. Niklaus, der Zimmermann aus Kriegstetten, Bürger 1540.
3. Niklaus, Grossrat 1544, Jungrat 1551.
4. Niklaus † 1611, Grossrat 1570, Jungrat 1578, Altrat 1584, Vogt zu Flumental 1591,
Kriegstetten 1607. Das Geschlecht erlischt vor 1759.
– Vergl. Franz Haffner: Geschlechterbuch.

D. Kanton Zürich
Heinrich, 1465 erster Kaplan des St. Fabian- u. Sebastianaltars mit
Frühmesspfründe zu Eglisau (Kt. Zürich). – A. Wild: Am Zürcher Rhein I, p. 155.





Der Name Aerni / Aerny / Aerne ist heute in der ganzen Schweiz verteilt.

Nach dem Familiennamen folgen Kantone, Heimatgemeinden (Bürgergemeinden),
das Jahr der Verleihung des Bürgerrechtes.
Ist dieses unbekannt, so ist der Zeitabschnitt vermerkt, in dem das Bürgerrecht erworben wurde.
Es bedeuten:

a altes Geschlecht, Bürgerrecht schon vor 1800 bestehend
b Bürgerrecht im 19. Jahrhundert erworben
* Ein Stern bedeutet, dass die Herkunft nicht bekannt ist oder dass das Bürgerrecht auf Grund besonderer gesetzlicher Bestimmungen (Adoption, Scheidung usw.) besteht.


Aerni

AG
Aarburg a
Attelwil a
Brittnau a

BE
Bern 1924 (Zollikofen BE)
1938 (Bolligen BE)
Bolligen a
Heimenhausen a
Hilterfingen a
Trachselwald 1948*
Zollikofen a

BL
Binningen 1942 (Bolligen BE)
Tenniken 1983 (Bolligen BE)

BS
Basel 1914 (Brittnau AG)
1957 (Hersiwil SO)
1960 (Binningen BL)

GE
Genève 1959 (Brittnau AG)

LU
Grossdietwil a

NE
Le Locle 1901 (Hilterfingen BE)
Neuchâtel 1902 (Hilterfingen BE)

SG
Krummenau a

SO
Bolken a
Gunzgen a
Härkingen 1912 (Gunzgen SO)
Heinrichswil a
Hersiwil a
Olten 1943 (Hersiwil SO)
Solothurn 1872 (Bolken SO)
Winistorf a
Zuchwil 1919 (Bolken SO)

TG
Eschenz 1926*

VD
Sainte-Croix 1871*

ZH
Zürich 1929 (Hilterfingen BE)
1948 (Bolligen BE)
1959 (Solothurn SO)
Volketswil 1994 (Bolligen BE).


Aerny

BS
Basel 1880 (Kappel, Toggenburg)

FR
La Joux b
Pierrafortscha a

VD
Sainte-Croix 1871*


Aerne

SG
Ebnat a

ZH
Kilchberg 1951 (Kappel, Toggenburg)
Winterthur 1932 Krummenau
Zürich 1935 (Kappel, Toggenburg)
1945 (Kappel, Toggenburg)
1955 (Kappel, Toggenburg)







Von Ernj, Erne, Arne, Ärnÿ, Ärni zu Aernie

Die Schreiber und Pfarrer früherer Jahrhunderte achteten nicht besonders auf die Rechtschreibung.
Die Namensschreibung erfogte eher nach dem Gehör. Das «Ae» in unserem heutigen Namen verdanken wir den Franzosen (Helvetische Republik 1798–1803). Im Jahre 1823 erschien ein Decret über die Einführung der Familienregister und ab 1842 eines über die definitive Schreibweise der Familiennamen.


1650 Beim ältesten Eintrag (Chorgerichts-Manual I)
verwendet Pfarrer Johan Haas die Version «Erni»,
wobei er das «i» am Schluss verlängert.

1655 Fünf Jahre später taucht auch die Schreibweise
«Erne» neben «Erni» auf.

1665 Ab 1665 wird das Schluss-«e» definitiv verdrängt und geht über zu «Ärni».
Der im Jahr 1660 neu eingesetzte Pfarrer Daniel Hummel benutzt
anstelle des «E» ein Ä», und schreibt jetzt «Ärne». (nicht abgebildet)

1675 Eine Variante besteht darin,
die Umlautzeichen dem «A» voranzusetzen.

1692 Im Burgerregister, angefertigt von Pfarrer Berset
ist ein einziges Mal die Form «Ärnÿ» zu finden.
(Das «ÿ» ist im Altbernischen wie ein «i» zu lesen).

1718 Die Schreibweise «Ärni» hat sich ab jetzt
über Jahrzehnte durch-gesetzt bis auf eine Ausnahme.

1745 Diese Ausnahme ist im Taufrodel
von Croisette bei Lausanne zu finden.
Der Eintrag erfolgte in französischer
Sprache mit «Erny».

1807 Die bis heute beibehaltene Schreibweise
«Aerni»findet seinen Ursprung um 1800
(Helvetische Republik).

1875 Auf den grossformatigen Seiten der Burger-
Register, wo ein Familienvater eine ganze Seite
für sich in Anspruch nehmen kann, wurde der
Name in Zierschrift angebracht.

1932 Schon eine vertrautere Schreibart weisen
die neuzeitlicheren Familien-Register auf.

1960 Schreibmaschine und heute der Computer haben
die Handschrift heute endgültig verdrängt.