Wer sich Pierre Aernis Gesamtkunstwerk "Sauternes-Art" vor Augen hält, kommt aus dem Staunen ob so viel Energie nicht mehr heraus. Schon der generalstabsmässig geplante und akkurat durchgeführte vierzehntägige Besuch von sechs (!) sauternes-Schlossherrinnen und -Herren pro Tag mit eingebautem Trip in die reben und Abfüllen einer Erdprobe in entsprechend im Voraus beschriftete Einmachgläser ist eine Geschichte für sich. Ganz zu schweigen vom Malhergang selber, unter Verwendung der abgefüllten Erde, bis hin zur ersten Ausstellung der Sauternes-Bilder im Schloss Greifensee (Herbst 2000), minutiös orchestriert und durchgeführt. Pierre Aerni deckt einen stets mit sprühenden Ideen, Farbklängen und Worten ein. Am Ende erscheint alles einfach und logisch, es bleibt einem nur ein stummes Nicken.

Pierre Aernis Werke schweben zwischen dieser aufblühenden Phantasie und einer bezwingenden Logik. Schauen Sie sich seine Sauternes-Bilder an: da ist nur Farbklang und Material, in sparsamen Schichten übereinandergelegt, im Licht changierend. der Betrachter bleibt an der klaren form hängen, lässt die Klänge wirken und schhmeckt den Abgang im Gaumen.

Pierre Aernis Alltag sind Formen und farben, ist das Formen und Färben. Seine Sauternes-Bilder zeugen vom profunden Wissen über Gestaltung und Graphik, das sich der einstige Kunstgewerbe-Schüler und heutige Art Director eines international tätigen Unternehmens erworben hat. Die unermüdliche Suche nach dem perfekten Klangbild zeugt aber auch von dem grossen Talent eines Menschen, der stets Lust hat, Neues zu kreieren, und sich nie mit dem Erreichten zufrieden gibt.

Gudrun Dreier